Klimafreundliche Flottenstrategie
Swisscom elektrifiziert ihre Flotte: Ein Gespräch mit Michael Klasa über Umsetzung, Ladeinfrastruktur und Lernprozesse.

Klimafreundliche Flottenstrategie

Interview: Nina Huber, Fotos: Swisscom
Welche Rolle spielt die Fahrzeugflotte in der Klimastrategie von Swisscom?
Michael Klasa: Mobilität ist bei uns einer der wichtigsten Hebel zur Reduktion von CO2-Emissionen. Als Dienstleistungsunternehmen haben wir insgesamt relativ wenige direkte Emissionen. Neben den Gebäuden ist die Fahrzeugflotte einer der Bereiche, in denen wir direkt ansetzen können. Swisscom besitzt mit rund 2500 Fahrzeugen eine der grössten Firmenflotten der Schweiz. Eine Fahrzeugflotte lässt sich vergleichsweise schnell umstellen – deutlich schneller als etwa Gebäude zu sanieren. Deshalb war die Elektrifizierung für uns ein naheliegender Schritt.
Welche Ziele verfolgt Swisscom im Flottenbereich?
Ziel, die Emissionen im Flottenbereich bis 2025 gegenüber 2018 zu halbieren, dieses Ziel haben wir erreicht. Langfristig wollen wir die direkten Emissionen aus der Fahrzeugflotte vollständig eliminieren. Ein nächstes Projekt wird darum die Elektrifizierung der Nutzfahrzeuge sein.

Wie sind Sie die Umstellung angegangen?
Am Anfang stand eine Analyse der bestehenden Flotte. Wir haben uns angeschaut, wie die Personenfahrzeuge genutzt werden, welche Strecken gefahren werden und welche Anforderungen im Alltag bestehen. Darauf basierend haben wir geeignete Fahrzeugmodelle ausgewählt und die Umstellung geplant. Bei den Personenwagen haben wir diese konsequent umgesetzt: Innerhalb von rund sechs Monaten wurden über 1000 Fahrzeuge ersetzt. Wir haben uns für die Fahrzeugmodelle Kona und Ioniq 5 von Hyundai entschieden. Diese sind unter anderem aufgrund der 800-Volt-Ladetechnologie (Ioniq5) technisch auf dem neuesten Stand und erzielen hohe Reichweiten von über 500 Kilometer.
Wie wurde das organisatorisch umgesetzt?
Am Anfang stand eine Analyse der bestehenden Flotte. Wir haben uns angeschaut, wie die Personenfahrzeuge genutzt werden, welche Strecken gefahren werden und welche Anforderungen im Alltag bestehen. Darauf basierend haben wir geeignete Fahrzeugmodelle ausgewählt und die Umstellung geplant. Bei den Personenwagen haben wir diese konsequent umgesetzt: Innerhalb von rund sechs Monaten wurden über 1000 Fahrzeuge ersetzt. Wir haben uns für die Fahrzeugmodelle Kona und Ioniq 5 von Hyundai entschieden. Diese sind unter anderem aufgrund der 800-Volt-Ladetechnologie (Ioniq5) technisch auf dem neuesten Stand und erzielen hohe Reichweiten von über 500 Kilometer.
Welche Rolle spielte die Ladeinfrastruktur?
Das Thema Laden ist entscheidend. Wir haben analysiert, wo unsere Fahrzeuge unterwegs sind und wo sie stehen. Daraus haben wir abgeleitet, wo Ladepunkte notwendig sind. Wir setzen bewusst stark auf öffentliches Laden, auch wenn es teurer ist. Mitarbeitende, die zu Hause laden, werden unterstützt. Beschäftigte, die ein Fahrzeug zum Ausführen ihrer Tätigkeit benötigen, haben ein Anrecht auf eine durch Swisscom finanzierte Ladestation. Ergänzend dazu bauten wir die Ladeinfrastruktur an unseren Standorten aus. Je nach Gemeinde und Kanton sind die Rahmenbedingungen und Förderungen sehr verschieden. Diese Unterschiede gleicht Swisscom auf Unternehmensebene aus, statt sie regional weiterzugeben. Das Laden spielte auch eine grosse Rolle bei der Fahrzeugwahl. Wir haben uns bewusst für Fahrzeuge entschieden, die besonders schnell geladen werden können.
Wo lagen die grössten Herausforderungen?
Die Herausforderungen lagen weniger in der Technik, sondern im Umgang mit Veränderungen. Elektromobilität bedeutet Veränderung und dass man Gewohnheiten anpassen muss, insbesondere beim Laden. Gerade am Anfang gab es intern schon Skepsis, zum Beispiel in Bezug auf Reichweite oder Alltagstauglichkeit. Mit der Zeit und durch die praktische Nutzung hat sich das aber stark relativiert.
Wie sind Sie damit umgegangen?
Ein wichtiger Punkt war die Kommunikation. Wir haben früh informiert und versucht, im Dialog zu bleiben. Gleichzeitig braucht es Rückhalt auf Führungsebene und eine gute Abstimmung zwischen den beteiligten Bereichen. Solche Projekte betreffen viele Stellen im Unternehmen.
Welche Erfahrungen haben Sie im Betrieb gemacht?
Die Erfahrungen sind insgesamt positiv. Die Fahrzeuge funktionieren im Alltag zuverlässig, und viele anfängliche Bedenken haben sich nicht bestätigt. Auch bei den Kosten zeigt sich, dass Elektrofahrzeuge in einem ähnlichen Bereich liegen wie konventionelle Fahrzeuge.
Welches sind die nächsten Schritte?
Als nächstes steht die Elektrifizierung der Nutzfahrzeuge, also Servicefahrzeuge bis 3,5 Tonnen, im Fokus. Das ist anspruchsvoller, weil diese Fahrzeuge spezifische Anforderungen haben und stärkeren Belastungen ausgesetzt sind. Die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen ist weniger eine Fahrzeugumstellung als ein systemisches Transformationsprojekt aus Energie, Infrastruktur und Betrieb. Unser Ziel ist es, bis Ende 2029 die letzten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu ersetzen.
Wird das Thema bidirektionales Laden bereits berücksichtigt?
Bidirektionales Laden wird im Flottenmanagement heute architektonisch mitgedacht, aber bewusst noch nicht breit ausgerollt – insbesondere wegen Gebäudetechnik, Regulierung und Betriebssicherheit. Allerdings plant Swisscom derzeit ein Pilotprojekt zu bidirektionalem Laden für 2027.
Welche Empfehlungen haben Sie für andere Organisationen?
Wichtig ist, das Thema nicht nur technisch zu betrachten. Organisation, Kommunikation und interne Abläufe spielen eine grosse Rolle. Zudem sollte man genügend Zeit einplanen und berücksichtigen, dass viele Beteiligte zusätzlich zu ihrem Tagesgeschäft an solchen Projekten arbeiten.
Lernprozesse und Erfahrungen
Die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte ist bei Swisscom ein zentraler Bestandteil der Klimastrategie. Mobilität zählt zu den relevanten Quellen betrieblicher Emissionen, entsprechend gross ist das Reduktionspotenzial.
Ziel des Unternehmens ist es, die direkten Emissionen aus dem Fahrzeugbetrieb weiter zu reduzieren und langfristig zu eliminieren, denn Mobilität zählt zu den relevanten Quellen betrieblicher Emissionen. 2018 entfielen rund 60 Prozent der Scope-1-Emissionen auf Fahrzeugtreibstoffe. Laut Geschäftsbericht 2025 konnte Swisscom ihre Scope-1-Emissionen gegenüber 2018 um 51,8 Prozent reduzieren. Ein wesentlicher Anteil dieser Entwicklung entfällt auf die Umstellung der Personenfahrzeugflotte.
- Mittlerweile sind die Elektrofahrzeuge bei Swisscom schweizweit im Einsatz, ein grosser Teil davon beim Tochterunternehmen Cablex. Dort legen Mitarbeitende durchschnittlich rund 100 Kilometer pro Tag zurück – nicht nur im urbanen Raum, sondern auch in ländlichen und abgelegenen Regionen.
- Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Reichweite, Ladeinfrastruktur und Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Die Praxiserfahrungen zeigen, dass die Elektrofahrzeuge auch bei intensiver Nutzung zuverlässig eingesetzt werden können und auch in ländlichen Regionen genügend Infrastruktur vorhanden ist.
- Während konventionelle, fossil betriebene Fahrzeuge jederzeit betankt werden können, erfordert Elektromobilität eine vorausschauende Planung. Ladezeiten müssen in die Arbeitsabläufe integriert werden und werden damit Teil der Einsatzplanung.
- Die Erfahrungen zeigen, dass die Elektrifizierung der Firmenflotte weniger als einmalige Umstellung zu verstehen ist, sondern als schrittweiser Lernprozess, der eng mit betrieblichen Abläufen verknüpft ist.