Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 9. März 2026

Aus Garage mach Radiostudio

Das Radiostudio von SRF zog 2022 an den Standort Leutschenbach – in eine ehemalige Garage. Beim Umbau wurde wo immer möglich auf zirkuläres Bauen gesetzt, sodass die neuen Studios deutlich weniger Energie verbrauchen als die früheren.

Ehemalige Industriehalle am Standort Leutschenbach, umgebaut zum Radiostudio von SRF.

Seit 1933 sendete SRF aus den Radiostudios am Brunnenhof in Zürich. Das Gebäude befand sich im Unterhaltsrückstand, Gebäudesubstanz sowie Radiotechnik waren sanierungsbedürftig. Zudem war das Flächenangebot zunehmend überdimensioniert. Eine Veränderung stand an und man beschloss, die Studios an den Standort Leutschenbach in Seebach zu holen. Allerdings fehlte auf dem SRF Areal der Platz für einen Neubau. SRF-Immobilien erkannte in einem Betonelementbau von 1967, der als Fahrzeughalle, Garage, Werkstatt und Lager genutzt wurde, Potenzial für einen Umbau.

Damit fiel die Wahl auf eine kosten- und emissionsgünstigere Variante: Im Vergleich zu einem Neubau sparte SRF rund 20 Prozent der Kosten, und circa 1100t CO2-Emissionen. Ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaziele der SRG.

Die neuen Radiostudios

Die neue Radio Hall kann sich sehen lassen: Die Fassade wurde innen gedämmt, um aussen den Charakter des Betonbaus zu erhalten. Dank der guten Dämmung und der Rückgewinnung von Abwärme aus den Lüftungsanlagen genügt eine minimale Zufuhr über das Fernwärmenetz. Für Events wird die Live Stage über die Lüftung gezielt beheizt, in der übrigen Zeit nicht. Die anderen Räume werden über Deckensegel mit Wärme und Kälte versorgt. Grosse, dreifach verglaste Fensterflächen in Fassade und Dach bringen viel Tageslicht ins Innere, was Strom für die künstliche Beleuchtung spart und im Winterhalbjahr solare Wärmegewinne ermöglicht. Aussenanliegende, automatisch gesteuerte Storen vor den Fenstern und über den Oberlichtern reduzieren im Sommer Überhitzung durch Sonneneinstrahlung sowie Wärmeverluste in kalten Nächten.

Der Innenraum des Gebäudes ist mit Galerien im zweiten Stock gestaltet, sodass ein grosszügiges Raumgefühl herrscht. Der Betrieb kommt heute mit einem Viertel der früheren Fläche aus. Die Innenarchitektur lädt zu Austausch und Kooperation ein – dies war von Anfang an Teil des Raumkonzepts und wird heute erfolgreich gelebt. Die Resonanz der Mitarbeitenden ist positiv.

Die Betriebskosten sind über die gesamte Energieversorgung tiefer als beim früheren Gebäude am Brunnenhof. Dies auch dank einer Betriebsoptimierungsphase während des ersten Jahres, in der man eine zusätzliche energetische Einsparung erreichte. Das Team justierte Temperatureinstellungen, Luftmengen, Heizkurven, die Kühlung sowie die vom Sonnenstand abhängige Steuerung des Lichts nach.

Umbau statt Neubau

SRF sparte mit der Variante Umbau statt Neubau rund 20 Prozent Kosten und substanziell CO2-Emissionen ein. Durch die Minimierung von neuem Beton und die Wiederverwendung von Mobiliar entfielen 1100 Tonnen CO2, insgesamt entstand weniger graue Energie.

Innenraum des umgebauten SRF-Radiostudios in Leutschenbach: Offener Grossraumbereich mit Arbeitsplätzen und sichtbare Haustechnik an der Decke.

Der Bestand des alten Gebäudes war gut und das Tragwerk blieb erhalten, wodurch Aufwände für Planung, baurechtliche Abklärungen, geologische Gutachten und derlei wegfielen. Zum zirkulären Bauen gehört, dass nicht mehr benötigte Bauteile weitergegeben oder verkauft werden, bei der Beschaffung wird auch auf Zweitnutzungen zurückgegriffen. Türen, Tore, Schränke, Heizlüfter, Metallbauteile, Sanitäranlagen, Bodenplatten, Küchen und vieles mehr konnten so an über 80 Parteien zur Weiterverwertung verkauft oder weitergegeben werden. Nebst der ökologischen Wirkung senkte dies auch die Entsorgungskosten.

Der Projektleiter von SRF-Immobilien, Lukas Marti, engagierte sich von Anfang an für die Variante Umbau, auch wenn sie für ihn und sein Team Mehraufwand bedeutete gegenüber einem Neubau. Es bedurfte viel Koordination, ein interdisziplinäres Team und den gemeinsamen Willen zum zirkulären Bauen: «Am Ende lohnt es sich aber, finanziell und ökologisch», betont Marti, der auch künftig auf zirkuläres Bauen setzen will.

Lukas Marti im Interview über zirkuläres Bauen

Ansprechperson bei SRF für zirkuläres Bauen, Architekt, Generalist

Portrait von Lukas Marti, Ansprechpartner bei SRF für zirkuläres Bauen.

Wieso entschieden Sie sich in diesem Projekt für einen Umbau statt Neubau?

Lukas Marti: Zirkuläres Bauen bringt finanzielle und ökologische Vorteile, das zeigt dieses Projekt. Trotzdem ist es noch keine Selbstverständlichkeit – im Moment braucht es Menschen, die aus Überzeugung nachhaltig bauen wollen und sich engagieren. In der Planungsphase führten wir intensive Diskussionen: Neubau oder Umbau? Wir mussten viel vermitteln und mit guten Visualisierungen überzeugen. Anfangs konnte sich kaum jemand vorstellen, dass aus einer Garage ein Radiostudio entstehen kann, zumal sie wirklich nur einen Viertel der früheren Fläche bot. Nachhaltigkeit ist der SRG jedoch wichtig, weshalb sich die Bauherrschaft final für den Umbau entschied. Wir und die Branche lernten dadurch vieles dazu.

Wie verbreitet ist die Weitergabe von Bauteilen?

Das wird leider erst marginal gemacht und es gibt auch noch nicht viele Anbieter, die Wiederverwendung als Dienstleistung anbieten. Der Wille ist da, weil aber das zirkuläre Bauen noch in den Kinderschuhen steckt, basiert es eher auf Idealismus als auf einem etablierten Geschäftsmodell.

Wie kamen Sie an all die Bauteile aus zweiter Hand?

Teils durch Suche, teils durch Zufall, wie bei der Bühne. Der Leiter unserer Ausstattung hatte eine Rundmail erhalten, dass die Maag-Halle Inventar weitergeben will – das war schlicht ein Glücksfall. Die gebrauchte Bühne war in gutem Zustand und sie kostete lediglich einen Drittel ihres Neuwerts. Viele andere Lösungen entstanden, weil wir hartnäckig suchten, um eine sinnige Lösung zu finden.

Weitere News